für Herz- und Gefäßchirurgie · Ambulante Operationen

Dr. med. Knut Reichert

Bei Verschluss der Herzkranzgefäße kann durch eine sogenannte Bypass-Operation die lebenswichtige Durchblutung des Herzmuskels wieder hergestellt werden. Dabei wird eine Art „Umgehungsstraße“ gebildet, die den verschlossenen Gefäßabschnitt überbrückt. Verwendet wird hierfür neben arteriellen Gefäßen aus dem Brustraum meist die oberflächliche Beinvene (Vena saphena magna), die bei der Bypassoperation parallel zur Brustraumeröffnung entnommen wird.
Oft steht man bei einer Bypass-Operation unter Zeitdruck, da aufgrund der verschlossenen Herzkranzgefäße ein Herzinfarkt droht oder bereits eingetreten ist. Aus diesem Grund kann man vor und während der Operation den Venenverhältnissen am Bein manchmal nicht die genügende Aufmerksamkeit widmen, d.h. Untersuchungen wie man Sie z.B. vor einer Krampfader-Operation zum Zustand der Venen machen würde, können nicht durchgeführt werden. Die Folge kann sein, dass nach der Bypass-Operation bedingt durch die Venenentnahme Abflussprobleme im Bein auftreten. Durch eine ambulant durchführbare Korrektur-Operation kann dieses Problem behoben wird.

Was geschieht bei diesem Eingriff?

Der Abfluss des Blutes aus dem Bein wird normalerweise durch eine tiefe und eine oberflächliche Hauptvene (Vena saphena magna) gewährleitstet, die durch Verbindungsvenen (Perforansvenen) verbunden sind. Bei einer Bypass-Operation wird die oberflächliche Vene ganz oder teilweise entfernt – ähnlich wie man es auch bei einer Krampfader-Operation macht. Die Funktion dieser Vene übernehmen danach die verbleibenden Hautvenen und die tiefe Beinvene
Bei der Korrekturoperation geht es darum, nutzlos gewordene Venenanteile, in denen sich das Blut z.B. aufgrund nicht mehr funktionierender Venenklappen zurückstaut, zu unterbinden bzw. zu entfernen. Dies können z.B. die verbliebenden Verbindungsvenen (Perforansvenen) sein.
Die betroffenen Verbindungsvenen können über mehrere kleine Hautschnitte direkt aufgesucht und dann unterbunden werden. Eine andere Möglichkeit ist die endoskopische Methode, bei der über einen Hautschnitt unterhalb der Kniekehle ein optisches Gerät (Endoskop) unter die derbe Muskelhülle (Faszie) geschoben wird und die betroffenen Venen über diesen Weg erreicht werden. Anschließend wird der Blutstrom in diesen Gefäßen mit Hilfe elektrischer Pinzetten oder mit Metallclips unterbunden.
Manchmal kann es notwendig werden, noch belassene Anteile der Vena saphena magna zu entfernen. Dazu wird über einen Hautschnitt ein Draht eingeführt, mit dessen Hilfe der defekte Venenanteil dann herausgezogen werden kann.

Wann rät Ihnen der Arzt zu diesem Eingriff?

Zu einer Korrektur-Operation nach Venenentnahme wird dann geraten, wenn nach der Bypass-Operation der Abfluss über die verbliebenden Venen nicht richtig funktioniert. Das Bein schwillt dann an und kann auch schmerzhaft sein. Durch den Rückstau des Blutes können auf die Dauer auch eigentlich noch intakte Venenabschnitte geschädigt werden.
Voraussetzung für die Operation ist immer eine genaue Untersuchung der Strömungsverhältnisse im betroffenen Bein. Dies passiert in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung. Nur in Ausnahmefällen ist auch eine Röntgendarstellung mittels Kontrastmittelgabe (Phlebographie) notwendig.

Welche Betäubungsmethode wird in der Regel angewandt?

Die Korrektur-Operation nach Venenentnahme wird in einer kurzen Vollnarkose vorgenommen (Verweis: Vollnarkose).

Wie lange dauert der Eingriff durchschnittlich?

Die Dauer des Eingriffs hängt von den jeweiligen Venenverhältnissen und der angewandten Methode ab.

Wer ist eventuell nicht für diesen Eingriff geeignet?

Bevor die Korrektur-Operation durchgeführt wird, sollten Sie sich vollständig von der Bypass-Operation erholt haben. Bei akuten Infektionen im Operationsgebiet muss der Eingriff eventuell verschoben werden.

Wie ist das Risiko einzuschätzen?

Die Korrekturoperation nach Venenentnahme ist ein relativ kleiner Eingriff, der nur sehr selten zu Komplikationen führt.
Trotzdem lassen sich wie bei jedem operativen Eingriff Komplikationen nicht hundertprozentig vermeiden. Über die Art und Häufigkeit der Komplikationen wie Blutergüsse, Wundheilungsstörungen, Lymphstau oder Infektionen wird Ihr Arzt Sie vor dem Eingriff umfassend aufklären.
Verhärtungen sind meist durch kleinere Blutergüsse bedingt und bilden sich in der Regeln nach ein bis drei Monaten zurück. Dies gilt auch für Empfindungsstörungen der Haut, die durch Beschädigungen kleinster Hautnerven bedingt sind.

Was müssen Sie vor dem Eingriff beachten?

Schon vor dem Eingriff sollten Sie die vom Arzt verordneten Kompressionsstrümpfe besorgen, die Sie nach der Operation für einige Wochen tragen müssen.
Nehmen Sie wegen anderer Erkrankungen regelmäßig Medikamente, sollten Sie den Arzt rechtzeitig vorher darüber informieren, da einige Medikamente wie z.B. blutverdünnende Substanzen einige Tage vor dem Eingriff abgesetzt werden sollten.
Am Tag des Eingriffes sollten Sie 6 Stunden vor der Anästhesie nichts mehr essen und keine trüben Flüssigkeiten mehr trinken! 2 Stunden vor der Anästhesie sollten auch keine klaren Flüssigkeiten mehr getrunken werden. (Ausnahme: Vorbereitungstablette(n) mit etwas Wasser) Am Anästhesietag soll nicht mehr geraucht werden. Wenn Sie morgens Medikamente einnehmen, besprechen Sie bitte mit Ihren Anästhesisten, welche Medikamente Sie vor der Anästhesie noch einnehmen können.

Was geschieht nach dem Eingriff und was ist zu beachten?

Auch bei der ambulanten Venenkorrektur bleiben Sie nach dem Eingriff noch für einige Zeit unter Beobachtung – so lange bis Sie sich fit für den Heimweg fühlen. Die Narkose wird relativ schnell nachlassen, so dass sie bald wieder ansprechbar sind. Bis Sie wieder völlig klar im Kopf sind, kann es aber noch etwas länger dauern. Sie dürfen daher am Tag des Eingriffs nicht selbst Auto fahren und sollten sich auch nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg machen. Lassen Sie sich von Angehörigen oder Freunden abholen oder nehmen Sie ein Taxi nach Hause. Nach einem Eingriff in Vollnarkose muss immer sichergestellt sein, dass Sie die ersten 24 Stunden nicht alleine zu Hause sind.

Nach der Operation sollten Sie so früh wie möglich aufstehen und herumlaufen. Durch die dabei in Gang gesetzte „Muskelpumpe“ wird der Abtransport des Blutes verbessert und so der Heilungsprozess gefördert sowie die Thrombosegefahr reduziert.

Wichtiger Bestandteil der Nachbehandlung ist die Kompressionstherapie, bei der gleichmäßiger Druck auf das Bein ausgeübt und so das „Absacken“ des Blutes in tiefere Regionen verhindert wird. Direkt nach dem Eingriff wird der Arzt über dem Verband einen Kompressionsstrumpf anlegen, der in der Regel bis zum ersten Verbandswechsel belassen wird.
Danach müssen sie noch für mindestens sechs Wochen einen vorher im Sanitätshaus angepassten Kompressionsstrumpf tagsüber tragen.

Auf Schwimmen und Baden müssen Sie für etwa vier Wochen verzichten, mit dem Duschen kann in der Regel am sechsten Tag nach der Operation begonnen werden.

Leichte sportliche Aktivitäten wie Wandern und Radfahren können Sie schon nach einer Woche aufnehmen. Mit Krafttraining oder intensiver sportlicher Betätigung (soweit Ihr Herz es zulässt) sollten Sie etwa vier Wochen warten.

Wann findet in der Regel der nächste Arzttermin statt?

Noch am Tag des Eingriffs wird Ihr Arzt Ihnen mitteilen, wann Sie zur nächsten Kontrolluntersuchung wiederkommen sollen. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie diesen Termin unbedingt einhalten.
Bekommen Sie zu Hause starke Schmerzen, Schwellungen oder Fieber, sollten Sie umgehend mit dem Arzt Kontakt aufnehmen. Auch wenn Sie unsicher sind und noch Fragen zum normalen Heilungsverlauf haben, wird Ihnen in der Praxis niemand böse sein, wenn Sie sich telefonisch Rat holen.

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